Gesellschaft für Geschichte
der Wehrmedizin

Nachrufe GGWM/SanAkBw


Nachruf: Generalstabsarzt a.D. Dr. Peter Fraps

Nachruf_aus_dem_Sanitätsdienst

Nachruf Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Claus Voss (1929-2015)

Voss

Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Claus Voss ist am 13. Februar 2015 im 86. Lebensjahr verstorben. Der Altinspekteur (1986-1989) des Sanitätsdienstes der Bundeswehr war von 1980-1982 auch Kommandeur der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr.
Geboren am 11. April 1929 im rumänischen Hermannstadt studierte er nach dem Abitur in Kempten von 1950-1955 Humanmedizin in München und war anschließend als Assistenzarzt am Kreiskrankenhaus Detmold tätig. Seine Karriere als Sanitätsoffizier begann am 1. Oktober 1958 mit Lehrgängen an der Sanitätstruppenschule und an der Heeresoffizierschule III in München. Es folgten verschiedene Verwendungen als Truppenarzt und Disziplinarvorgesetzter vornehmlich bei Luftlandeeinheiten, bevor Dr. Voss als Hilfsreferent für die Sanitätsoffiziere des Heeres und die Offiziere des militärfachlichen Dienstes in die Personalabteilung des Bundesministeriums der Verteidigung versetzt wurde. Nach nur einjähriger Anschlussverwendung als Divisionsarzt der 7. Panzergrenadierdivision in Unna wurde er am 1. Oktober 1976 - wieder im BMVg - Leiter des Referates PV 7 und damit zuständig für Personalführung und Personalplanung aller Sanitätsoffiziere, Offiziere des militärfachlichen Dienstes und der Offiziere des Militärmusikdienstes der Bundeswehr.
Die Verwendung als Kommandeur unserer Akademie unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalarzt begann am 1. April 1980. In sein Amt eingeführt wurde Dr. Voss bereits am 23. März 1980 während der Akademischen Feierstunde anlässlich der Einweihung der neuen Akademie an der Neuherbergstraße. In diesem Rahmen erhielt die Kasernenanlage den Namen Ernst-von-Bergmann-Kaserne und das damalige Lehrsanitätszentrum die Bezeichnung Emil-von-Behring-Haus. Gleichzeitig wurde der Inspekteur, Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Ernst Rebentisch, vor über 400 Ehrengästen in den Ruhestand verabschiedet. Dr. Voss blieb zwei Jahre Kommandeur und etablierte den Lehrbetrieb erfolgreich auch am neuen Standort. Die Chronik berichtet in dieser Zeit auch von einer Vielzahl hochrangiger Besuchergruppen an der Akademie, auch Ausdruck der Pflege der Beziehungen zu anderen Sanitätsdiensten, die ihm stets am Herzen lag. So erschienen z.B. die Chefs des Sanitätswesens der türkischen Streitkräfte, der jugoslawischen Volksarmee, der Streitkräfte des Sudans, Japans oder auch irakische und pakistanische Sanitätsoffiziere zu Besuchen an der Akademie. Im Anschluss bekleidete Dr. Voss die Funktionen als Stellvertreter des Amtschefs des Sanitätsamtes und als Stellvertreter des Inspekteurs, bevor seine Laufbahn mit der höchsten Verwendung im Sanitätsdienst gekrönt wurde: Vom 1. Oktober 1986 bis zu Erreichen des Ruhestandes am 30. September 1989 diente er unter Beförderung zum Generaloberstabsarzt als Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr.
Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Voss galt als menschlich integrer und bescheiden auftretender Vorgesetzter, der sich insbesondere der schwierigen Personalsituation im Sanitätsdienst erfolgreich annahm. So traten in seiner Zeit als Inspekteur erstmals auch Frauen ihren Dienst als Sanitätsoffizieranwärterinnen an.
Die Angehörigen der Sanitätsakademie der Bundeswehr und der Gesellschaft für Geschichte der Wehrmedizin e.V. werden Generaloberstabsarzt a.D. Dr. Voss stets ein ehrenvolles Gedenken bewahren.

Flottenarzt Dr. Volker Hartmann


Nachruf Generaloberstabsarzt a.D. Prof. Dr. Ernst Rebentisch (1920-2013)

Rebentisch

Foto: SanAkBw 

Generaloberstabsarzt a.D. Prof. Dr. Ernst Rebentisch ist am 3. Dezember 2013 im Alter von 93 Jahren gestorben. Der „Nestor“ und Altinspekteur (1976-1980) des Sanitätsdienstes der Bundeswehr war von 1969—1973 auch Kommandeur der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr.
Nach seinem Abitur in Darmstadt begann der am 31. Januar 1920 geborene Offenbacher seine Offizierlaufbahn im November 1937 als Fahnenjunker in Potsdam. Im Krieg in der Panzertruppe als Kompaniechef, Abteilungskommandeur und Regimentsführer an der Ostfront eingesetzt, wurden ihm höchste Tapferkeitsauszeichnungen verliehen. U.a. war er im Dezember 1942 an dem unter schwierigsten Umständen vorgenommenem und misslungenem Panzerangriff zum Entsatz der in Stalingrad eingekesselten 6. Armee in der Don-Steppe beteiligt.
Aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen, begann Rebentisch bereits 1945 das Studium der Medizin, wurde 1950 approbiert und promoviert, um danach bis zur chirurgischen Facharztprüfung 1958 als Assistenzarzt im Stadtkrankenhaus Offenbach zu arbeiten. Hier war bereits sein Vater als Ärztlicher Direktor tätig gewesen. Nach einjähriger Oberarzttätigkeit im Kreiskrankenhaus Gelnhausen stellte er sich 1959 wieder als Soldat zur Verfügung. Beginnend als Oberstabsarzt und Leitender Sanitätsoffizier beim DBvBerAFNORTH wurde er bis zu seiner Beförderung zum Generaloberstabsarzt und Ernennung zum Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens im Oktober 1976 in verschiedenen führenden Dienstposten eingesetzt. 1980 ging er in den Ruhestand.
Generaloberstabsarzt a.D. Prof. Dr. Rebentisch galt als hervorragender Organisator, Konzeptionär, Historiker und analytisch vorgehender Wissenschaftler, der wesentlich zu der Emanzipation des Sanitätsdienstes in Bundeswehr und zivilem Gesundheitswesen beigetragen hat. Zudem begründete er das Spezialgebiet derWehr- und Katastrophenmedizin, hatte zahlreiche einschlägige grundlegende Publikationen veröffentlicht und sich an vorderer Stelle in der kontroversen Debatte um ärztliche Sichtungsprinzipien bei Großschadensereignissen in der Zivilgesellschaft beteiligt.
Mit der Sanitätsakademie und der Stadt München ist Prof. Dr. Rebentisch in vielfältiger Weise bis in das hohe Alter verbunden gewesen. Von 1969 bis 1973 wirkte er als Generalarzt und Kommandeur der Akademie. Hier setzte er sich mit besonderem Nachdruck für die Verbesserung der fachlichen und militärischen Ausbildung des Sanitätsoffizier-Nachwuchses ein, schuf intensive fachliche Kontakte zu den Münchner Universitäten und forcierte die wehrmedizinische Forschung und Wissenschaft an der SanAkBw. Hohe internationale Anerkennung erlangte er während der Olympischen Spiele 1972 in München, als er in vorbildlicher Weise den Sanitätseinsatz leitete. Zudem ernannte ihn die Technische Universität München 1975 zum Honorarprofessor für Wehr- und Katastrophenmedizin. Auch wurde auf seine Veranlassung die Wehrgeschichtliche Lehrsammlung an der Sanitätsakademie begründet und zunächst als ständige Ausstellung auf einem Dachboden in der Luitpoldkaserne eingerichtet. Mit der Übergabe des Neubaus der Akademie an den Sanitätsdienst am 14. März 1980 beendete er als Inspekteur des Sanitäts- und Gesundheitswesens seine über 40jährige Dienstzeit als Offizier und Sanitätsoffizier.
Die Sanitätsakademie / Gesellschaft für Geschichte der Wehrmedizin e.V. hatte noch anlässlich seines 92. Geburtstags am 31. Januar 2012 und in Würdigung seines Lebenswerks Teile seiner Uniform, Tapferkeitsauszeichnungen und von ihm verfasste Handbücher bzw. Dokumente im Rahmen des „Exponats des Monats“ Februar 2012 ausgestellt. In diesem Zusammenhang soll ergänzend daran erinnert werden, dass dem Jubilar im Jahre 2009 die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft, die Paracelsus-Medaille, in Anbetracht seiner herausragenden Verdienste um das deutsche Gesundheitswesen verliehen worden ist.
Vorstand und Mitglieder der GGWM werden Generaloberstabsarzt a.D. Prof. Dr. Rebentisch als einen herausragenden und den Zielen der Gesellschaft verbundenen Sanitätsoffizier ein stets ehrenvolles Gedenken bewahren. 

Flottenarzt Dr. Volker Hartmann


Nachruf Flottenarzt a.D. Dr. Hartmut Nöldeke

Einer der profiliertesten Kenner der Geschichte des Marinesanitätsdienstes, Flottenarzt a.D. Dr. Hartmut Nöldeke, ist am 9. Februar 2013 im Alter von 87 Jahren in Schortens bei Wilhelmshaven im Kreise seiner Familie verstorben.

Noeldke

Dr. Hartmut Nöldeke als Marinestabsarzt 1966 auf einem Zerstörer der deutschen Marine

In Wilhelmshaven hatte er am 30. September 1986 seine aktive Karriere als Kommandoarzt im Marineunterstützungskommando (MUKdo) beendet.

1926 als Sohn des Marinesanitätsoffiziers und späteren Admiralarztes Dr. Heinrich Nöldeke in Cuxhaven geboren, war seine Jugend von häufigen Standortwechseln und Kontakt zu höchsten Repräsentanten des Marinesanitätsdienstes der Reichs- und Kriegsmarine geprägt. Auf diese Zeit begründeten sich seine im Privaten wie im Dienst gelebten Werte wie Pflichterfüllung, Kameradschaft, Patriotismus und selbstloses Wirken.

Nach dem Notabitur 1943 trat Nöldeke als Sanitätskadett mit der Crew 10/43 in die Kriegsmarine ein und durchlief neben dem Studium in einer Studentenkompanie der Marineärztlichen Akademie die in den Semesterferien üblichen Fronteinsätze an Bord von Booten, Lazarettschiffen und im deutschen Marinelazarett Triest. Das Kriegsende erlebte er an Bord des Lazarettschiffes „Freiburg“ und verbrachte danach ein Jahr in britischer Kriegsgefangenschaft.

Zurückgekehrt nach Deutschland vollendete er sein Medizinstudium, absolvierte seine Pflichtassistentenzeit im Klinikum Eppendorf, um danach an verschiedenen Hamburger Krankenhäusern zum Facharzt für Innere Medizin weitergebildet zu werden und zeitweise als Oberarzt zu wirken.

1963 trat Dr. Nöldeke mit 37 Jahren als Marinesanitätsoffizier in die Bundeswehr ein und durchlebte Verwendungen als Truppenarzt in Kiel und des deutschen Anteils im Alliierten Oberkommando Europa (SHAPE) in Paris und Mons/Belgien. Es folgten Führungs- und Stabsverwendungen als Chef der Marinesanitätsstaffeln Glücksburg und Wilhelmshaven, als Leitender Sanitätsoffizier der Flottille der Minenstreitkräfte, des Marineabschnittskommandos Nordsee und im Marineamt. Nach seiner Verwendung als Wehrbereichsarzt des Wehrbereichskommandos IV in Mainz und gleichzeitig Kommandeur des Sanitätsregiments 74 ab 1980 kehrte er dann 1984 zum Abschluss seiner Laufbahn in die Marine nach Wilhelmshaven zurück.

In seiner Pension entfaltete Flottenarzt a.D. Dr. Nöldeke über 27 Jahre eine unermüdliche Tätigkeit auf dem Gebiet der Marinesanitätsgeschichte. Zahlreiche Vorträge, weit über 100 wissenschaftliche maritim-historische Beiträge, darunter grundlegende Werke über die Geschichte des Sanitätsdienstes der deutschen Flotte, entstammten seiner Feder. In diesem Rahmen war es ihm stets ein besonderes Anliegen, bei Symposien und vor allem bei den bis heute insgesamt 30 Tagungen des von ihm begründeten Arbeitskreises „Marinesanitätsgeschichte“ Ärzte, Offiziere und Interessierte aus bis zu vier Generationen zusammenzuführen und für die historischen Zusammenhänge des gemeinsamen Berufes zu begeistern. Auch vielen Mitgliedern der Gesellschaft für Geschichte der Wehrmedizin war Dr. Nöldeke gut bekannt, der stets auch ein übergeordnetes Interesse für die Belange der Militärmedizingeschichte besaß.

Die Gesellschaft verliert mit Flottenarzt a.D. Dr. Hartmut Nöldeke einen hochgeschätzten Kameraden, Kollegen und Zeitzeugen aus Kriegs- und Aufbauzeit und einen überaus engagierten Chronisten. Seine Person und seine Werke bleiben unvergessen.

Flottenarzt Dr. Volker Hartmann, Arbeitskreis Marinesanitätsgeschichte, München


Nachruf Generalarzt a.D. Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Gärtner

Die Sanitätsakademie der Bundeswehr trauert um ihren ehemaligen Kommandeur Generalarzt a.D. Prof. Dr. Dr. Franz-Xaver Gärtner. Er verstarb am 31. Mai 2012 im Alter von 87 Jahren in München.

Gaertner

1925 in Erding geboren, absolvierte er in München das humanistische Wilhelms-Gymnasium, in dem er im Kriegsjahr 1943 sein Abitur ablegte. Nach dem Reichsarbeitsdienst begann seine militärische Laufbahn in der Deutschen Wehrmacht noch im gleichen Jahr, in dem er sich freiwillig als Reserveoffizierbewerber in die Panzerjägertruppe meldete. Das Kriegsende erlebte er als Sturmgeschützführer in der 2./Panzerjägerabteilung 87.

Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft wurde er bereits im Mai 1945 entlassen, so dass er kurz darauf in München das Studium der Human- und Zahnmedizin aufnehmen konnte. Approbation und Promotion folgten 1949, im Anschluss arbeitete Gärtner bis 1955 als Assistenzarzt am Versehrtenkrankenhaus für Mund-, Kiefer- und Gesichtsverletzte in Mindelheim und im Versorgungskrankenhaus Bad Tölz. Seine akademische Laufbahn begann er mit einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent an der Universitätskieferklinik in München, die er 1958 als Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie komplettierte.

In diesem Jahr trat er auch als Sanitätsoffizier im Dienstgrad eines Stabsarztes in die Bundeswehr ein, um zunächst als Chef der Unteroffizierlehrkompanie und als Chef der 2./SanLehrBtl eingesetzt zu werden. Die folgenden dreieinhalb Jahre diente Dr. Gärtner, mittlerweile zum Oberstabsarzt befördert, als Lehrstabsoffizier in der Lehrgruppe C der Münchner Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens. Im Zeitraum 1968 bis 1970 habilitierte er sich an den Universitäten Mainz und Göttingen und wurde – inzwischen im Dienstgrad Oberfeldarzt – am 19. Januar 1970 unter Erteilung der venia legendi zum Privatdozenten ernannt. Im Anschluss leitete er die Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Bundeswehrkrankenhaus München, ließ sich an die Medizinische Fakultät der Technischen Universität München umhabilitieren und übernahm dort einen Lehrauftrag. 1976 erfolgte im Dienstgrad eines Oberstarztes die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Im Jahre 1977 wurde Prof. Dr. Dr. Gärtner Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses Gießen, 1979 unter Beförderung zum Generalarzt Chefarzt des Bundeswehrzentralkrankenhauses Koblenz. Seine letzte Verwendung war von 1982 bis zum Erreichen des Ruhestandes am 31. März 1985 Kommandeur der Akademie des Sanitäts- und Gesundheitswesens der Bundeswehr. Unter seinen zahlreichen Auszeichnungen und Verbindungen ragte die Mitgliedschaft im ehrwürdigen Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem hervor.

Zeitlebens befasste sich Generalarzt a.D. Prof. Dr. Dr. Gärtner intensiv mit wissenschaftlichen Fragestellungen insbesondere aus seinem Fachgebiet, verfasste zahlreiche Publikationen und betreute insgesamt 30 Doktoranden. Mit der Akademie blieb er bis ins hohe Alter eng verbunden, brachte bei vielerlei Gelegenheiten seine Erfahrungen ein und war im Offizierkreis ein gerne gesehener und hoch geschätzter Gesprächspartner.

Generalarzt a.D. Prof. Dr. Dr. Gärtner wurde am 6. Juni 2012 in Pasing zu Grabe getragen, eine Abordnung der Sanitätsakademie der Bundeswehr erwies ihm militärische Ehren. Für die Gesellschaft für Geschichte der Wehrmedizin war ihr Vorsitzender und einer der Nachfolger des Verstorbenen im Amte des Kommandeurs der Sanitätsakademie, Generalstabsarzt a.D. Dr. Peter Fraps, bei der Beisetzung und dem anschließenden Gottesdienst anwesend.

Flottenarzt Dr. Volker Hartmann